“Am Heidjöchl” – Kinder planen ihre Stadt

© MA 21

Juli 2026

“Am Heidjöchl” – Kinder planen ihre Stadt

Kinder und Jugendliche gestalten die Stadt von morgen mit. Dafür entwickelte die Wiener Stadtteilplanung (MA 21) ein Lego-Planspiel und bietet Exkursionen an.

Wie gelingt es, Kinder und Jugendliche in aufwändige und langwierige Planungsprozesse einzubinden? Wie können baukulturelle Grundsätze erlebbar und für Kinder nachvollziehbar und spannend gemacht werden? Wie wird die Komplexität der Stadtplanung sichtbar? Welche Zielkonflikte können in Planungsprozessen entstehen und wie kann man sie auflösen? Was können die Planer*innen von Kindern und Jugendlichen lernen?

Diese und viele weitere Fragen hat sich die Wiener Stadtteilplanung gestellt und neue Wege entwickelt, wie Kinder und Jugendliche in Planungsprozesse eingebunden werden können. Schnell war klar: Mit den klassischen Methoden wie Ausstellungen, Veranstaltungen oder Führungen können Kinder und Jugendliche kaum erreicht werden. Im Rahmen des Projekts “Stadtplanung geht in die Schule” wurden neue Methoden erarbeitet und ausprobiert. 2 Beispiele dafür sind das Lego-Planspiel und die Exkursion “Artenvielfalt erleben und erheben”.

Lego-Planspiel

Lego ist ein ideales Mittel, um spielerisch die Herausforderungen der Stadtplanung 3-dimensional deutlich zu machen. Ziel des Lego-Planspiels ist es, einen realistischen Stadtteil zu bauen. Jeder Stein, jede Farbe repräsentiert eine bestimmte städtische Funktion: Wohnungen, Geschäfte, Büros, Schulen, Grün- und Freiraum, Wasserflächen und so weiter.

 

Im 1. Schritt wird gemeinsam überlegt, was in einer neuen Stadt eigentlich alles vorkommen muss und was sich die Jugendlichen wünschen. Hier ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Mit einem “Entweder-Oder-Raumspiel” werden bereits vor der Diskussion Themen der Stadtteilplanung bewusst gemacht: Fahrrad fahren oder E-Scooter fahren? Privater Balkon oder Gemeinschaftshof? Im Sesselkreis werden anschließend die Einrichtungen, die ein Stadtteil aus Sicht der Kinder und Jugendlichen braucht, als Planungskärtchen gesammelt und diskutiert.

Dann geht es an das Bauen selbst. Basis für das Plan-Spiel ist der jeweilige neugeplante Stadtteil. Die Jugendlichen bekommen eine genau bemessene Anzahl von Legosteinen für Wohnungen, Geschäfte, Schulen und Kindergärten sowie eine vorgegebene Baufläche. Die Aufgabe lautet zum Beispiel: “Wie kannst du es schaffen, dass möglichst viel Grünraum im Stadtteil bleibt?”

Für das Bauen gibt es einfache Regeln, wie zum Beispiel: “Alle Steine für Wohnungen, Geschäfte und Schule müssen verwendet werden” und “Ein Gebäude darf maximal 5 Legosteine hoch sein” oder “Alle Gebäude müssen erreichbar sein”.

 

Zum Abschluss präsentiert jede Gruppe ihre Überlegungen zu ihrem Stadtteil. Alle können gleichberechtigt erzählen und Fragen stellen. Das Ergebnis des Workshops inklusive der Planungskärtchen wird mit Fotos dokumentiert und an die Fachplaner*innen weitergegeben.

 

Am Ende stehen ein neuer Stadtteil und eine wunderschöne Erzählung. Denn mindestens genauso wichtig wie das Planen selbst ist das gemeinsame Reden darüber. Da unterscheiden sich die Jungplaner*innen kaum von den Fachplaner*innen der Stadt.

Citizen Science Am Heidjöchl - Artenvielfalt erleben und erheben

Was als ein Angebot an alle begonnen hat, erweist sich als probates Mittel um Kinder und Jugendliche für die Stadtplanung zu interessieren. Im Rahmen der regulären Expeditionen ins Stadtentwicklungsgebiet “Am Heidjöchl” in der Donaustadt suchen und bestimmen häufig Kinder am eifrigsten verschiedene Tiere und Pflanzen.

 

Das Projekt verbindet wissenschaftliche Bildung, Naturschutz und Beteiligung auf eine Weise, die junge Menschen ernst nimmt. Sie sind nicht bloß Zielgruppe der Stadtplanung, sondern werden zu aktiven Mitgestalter*innen eines neuen Stadtteils voller Artenvielfalt.

Mitgestaltung mit Einfluss

Die von den Teilnehmenden erhobenen Daten zur Artenvielfalt fließen in die Planung der Grün- und Freiräume des neuen Stadtteils ein und werden von den Grün- und Freiraumplaner*innen bearbeitet. Kinder und Jugendliche erleben dadurch, dass ihre Arbeit tatsächlich Auswirkungen auf planerische Entscheidungen hat. Statt Biodiversität nur im Unterricht kennenzulernen, beobachten die Kinder Tiere und Pflanzen selbst, dokumentieren ihre Funde mit der App iNaturalist und arbeiten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen. Dadurch werden wissenschaftliche Methoden verständlich und unmittelbar erlebbar und Stadtplanung wird als transparenter Prozess sichtbar.

Du hast noch Fragen oder
Anregungen für den neuen Stadtteil? Melde dich hier:

Servicestelle Stadtentwicklung